Kloster Muenster -Schwarzach

Wenn es nur einmal ganz stille wäre

 

Als Lebendige ist unser Dauerzustand Bewegung und Veränderung.

Wir können den Atem nicht anhalten, wir können den Puls nicht stoppen.

Und schließlich gehen und kommen Gedanken, Gefühle, Worte, Bilder, Töne,

Eindrücke, Impulse.

"Wenn es nur einmal ganz stille wäre", hofft Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht,

dann könnte er die Gottesgegenwart aufnehmen.

 

Alles Bewegte trägt irgendwie auch eine Qualität des Stehens in sich,

ein Unbewegtes, wie die Mitte der Radnabe.

Am Baum können wir es lernen, am Stern, der am Himmel steht,

am Stein, beim verlorenen Blick in weites Land oder zum Berg.

Doch auch der Städter ist mitten im Lärm von Stillem umgeben:

das Bild an der Zimmerwand, die Blumen auf dem Tisch,

das ruhige Licht der Straßenlaterne, das dunkle Fenster im nachbarlichen Haus,

das leere Gleis in der U-Bahnstation.

 

Wer zur Sammlung in sich und bei sich kommen möchte,

übe sich zuerst einmal darin, am Fremden zu lernen.

Allmählich bemerkt man

- so wie früher der Lärm einen plagte -

das Anhalten, die bleibende Dauer,

den um vieles längeren Atem, der in den Dingen ist. 

 

Pater Meinrad Dufner